Channa Horwitz "Hello is not like I would say goodbye"
Aanant & Zoo freut sich sehr am 16. April 2010 die zweite Einzelausstellung der kalifornischen Künstlerin Channa Horwitz mit einem Konzert von Quartett PLUS 1 & dak~ [dak.tilde] zu eröffnen. Die Künstlerin wird zur Vernissage ab 19 Uhr anwesend sein.
„Mit Hilfe der deduktiven Logik habe ich eine visuelle Philosophie erarbeitet. Denn ich hatte das Bedürfnis, die Zeit zu kontrollieren und zu komponieren, so wie ich zuvor zwei-dimensionale Zeichnungen und Malereien kontrolliert und komponiert hatte. Als Grundlage für die visuelle Beschreibung der Zeit wählte ich ein Diagramm. Dem Diagramm ordnete ich Werte zu: Ein Zoll steht für einen Pulsschlag in der Zeit. Unter Anwendung dieses Diagramms habe ich Kompositionen erschaffen, die Rhythmus visuell darstellten“. (1)
Seit Anfang der 60er Jahre arbeitet Channa Horwitz kontinuierlich mit Zahlen, Rhythmen, Bewegungen und an den Möglichkeiten diese Strukturen zu visualisieren. Ihre Zeichnungen sind oft Diagramme, die Zeit und Bewegung festhalten und sich wie eine Art Partitur lesen lassen. Bereits in den 1970er Jahren wurden diese von Komponisten und Musikern zum Anlass genommen, Kompositionen für verschiedenste musikalische Experimente zu entwickeln. David Mahler übersetze ihre Zeichnungen in elektronische Musik und Steve Higgins erarbeitete eine Percussion-Performance. In Kooperation mit Kunstsaele Berlin wird zur Eröffnung der Ausstellung eine weiter Notation von Channa Horwitz mit dem Quartett PLUS 1 & dak~ [dak.tilde] zu einer musikalischen Bearbeitung finden.
„Zur Komposition der visuellen Rhythmen beschloss ich, acht Einheiten einzusetzen. Jede der acht Einheiten erhielt eine Nummer, Zählimpulse jeweils dieser Nummer entsprechend und eine Farbe. Die Nummer eins hatte eine Dauer von einem Zählimpuls und war grün, Nummer zwei hatte zwei Impulse und war blau usw., bis hin zu Nummer acht mit acht Impulsen und der Farbe gelb-grün. Diese acht Einheiten bezeichnete ich als „Energien“. Aus acht Energien, jede mit einer Impulsdauer entsprechend ihrer Nummerierung versehen, schuf ich Kompositionen, die auf der gleichen Logik aufbauten. Jegliche Bewegung, die in der Zeit auf dem Diagramm erscheint, basiert auf der gleichen, linearen Logik. Als Grundlage für mein logisches System der Bewegung wählte ich eine zirkuläre Sequenz. Auf der visuellen Ebene setzte ich das um, indem ich meinen Rhythmus entlang der Zählimpulse 2-3-4-5-6-7-8-1-2 ... oder 1-2-3-4-5-6-7-8-7-6-5-4-3-2-1 usw. gestaltete. Diese Wahlmöglichkeiten oder auch Limitationen stellte ich mir als Spielregeln vor. Indem ich meine Auswahl auf die kleinste Anzahl reduzierte und jedes Spiel in Frage stellte, erschuf ich eine an Kraft zunehmende, separate Welt des visuellen Rhythmus. Je mehr ich in Frage stellte, desto weiter drang ich vor in meiner Suche nach Sinn, künstlerischer Wahrheit und der Bedeutung von Freiheit“. (2)
Channa Horwitz lebt und arbeitet in Los Angeles, Kalifornien. Sie studierte am California Institute of the Arts und stellt seit 1963 ihre Arbeiten aus. Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, wie etwa im Getty Research Institute (Los Angeles), in der National Gallery of Art (Washington D.C.), im Kupferstichkabinett Berlin, im CGAC (Spain), etc. Im letzten Jahr wurden die Arbeiten von Horwitz u.a. auf dem „art forum berlin“ präsentiert und sind zur Zeit in der Ausstellung Dopplereffekt - Bilder in Kunst und Wissenschaft“ in der Kunsthalle zu Kiel zu sehen.
(1), (2) Channa Horwitz aus „Statement“; Hidden Hills, California, Januar, 1976
Konzert am Freitag, den 16. April um 19 Uhr mit Quartett PLUS 1 & dak~ [dak.tilde]
Streichquartett und Elektroniktrio treffen sich zwischen Kammermusik und Konzeptimprovisation. Flirrend hohe Geigentöne mischen sich mit nostalgischen Synthesizerwellen. Zarte Duette und hitzige Battles zwischen Laptop und Cello, Beats und Pizzicato formen ein Kaleidoskop aus Melodie und Geräusch. Sieben Musiker treffen sich im Neuland zwischen Konzertkultur und Soundspielplatz. Ein Programm inspiriert von Channa Horwitz, Terry Riley, John Zorn und freier Improvisation.
Quartett PLUS 1 sind Katharina Pfänder, Lisa Stepf, Kathrina Hülsmann und Kristina Müller. Seit 2005 zeichnet ein kunstspartenübergreifender Ansatz ihre Arbeit aus. Projektweise kooperiert das Streichquartett mit Künstlern unterschiedlicher Medien wie Live-Zeichnen, Tanz/ Bewegung, Theater, Video und Live-Elektronik. Die Kompositionsprinzipien der Minimal Music und ihre Möglichkeiten der intermedialen Übersetzung führten die Musikerinnen zu einer Auseinandersetzung mit den Konzepten von Terry Riley, Frederic Rzewski und Michael Nyman. Daneben dienen Kompositionen von Allegri, Bach, Ligeti, Pärt, Ali-Sade und Kraftwerk als Klangmaterial, das bearbeitet und transformiert wird.
dak~ [dak.tilde] sind Damian Marhulets, Kostia Rapoport und David Borges. Seit 2008 arbeiten die Musiker und Komponisten zusammen und suchen nach neuen, zeitgemäßen Formen elektronischer Musik. Sie spielen mit den klanglichen Unterschieden analoger elektronischer und selbst programmierter digitaler Instrumente. Ihre Soundästhetik oszilliert zwischen der Improvisationstradition des Free-Jazz, aktueller elektronischer Tanzmusik und elektro-akustischer Avantgarde.






